Die Chronik

Männerhandball

Über das Lehrerseminar kam das Handballspiel schon 1920 nach Nürtingen. Bald fand diese Sportart auch Freunde in der hiesigen Turngemeinde. Nachweisbar wurde ab 1927 mit einer aktiven Mannschaft am Spielbetrieb, damals noch im Feldhandball, teilgenommen. Im Jahre 1930 kamen die Spieler in der A-Klasse (Kreisklasse) erstmals zu Meisterehren. Auch in den folgenden Jahren wurde der Titel nach Nürtingen geholt, doch währte es bis 1935, bis der Aufstieg in die Bezirksklasse geschafft wurde.

Nach Kriegsbeginn konnte der Spielbetrieb nur noch kurze Zeit aufrecht erhalten werden – dann waren es nur noch Jugendmannschaften, die sich in Rundenspielen messen konnten.

Nach dem Krieg stand bald wieder eine TG-Mannschaft auf dem Spielfeld. 1945/46 wurden die Handballer Kreismeister und durften damit bei den Spielen um die Württembergische Meisterschaft teilnehmen. Gegen namhafte Gegner wie zum Beispiel die Stuttgarter Kickers und Frisch Auf Göppingen hatten die Nürtinger zwar spielerisch keine Chance, sie konnten aber reichlich Erfahrungen sammeln. Ab 1946 spielte die TG in der Bezirksklasse, nachdem die Mannschaft 1944 „Achalm-Meister“ geworden war, jedoch an den Aufstiegsspielen scheiterte.

Der Schwerpunkt des Handballspieles wurde nun immer mehr vom Großfeld in die Halle verlegt. Dort schafften die Nürtinger Handballer schließlich 1979 den viel umjubelten Aufstieg in die Bezirksliga.

Für Furore sorgte in dieser Zeit auch eine Jugendmannschaft der TG-Handballabteilung: Nachdem die Spieler unter Trainer Rolf Reutter und Betreuer Kurt Fuchs bereits ab der D-Jugend württembergische und süddeutsche Meistertitel eingefahren hatten, erreichte man in der B-Jugend 1976 den dritten Platz bei der Deutschen Meisterschaft. Im folgenden Jahr setzten die Jungs noch einen drauf. Erst im Finale der Deutschen Meisterschaft wurden die jetzt A-Jugendlichen unter dem neu ernannten Trainer Bernhard Kurz gestoppt. Den Erfolg der A-Jugend, die als Deutscher Vizemeister bis heute die erfolgreichste Jugendmannschaft der Turngemeinde war und ist, verdanken die TGler allerdings Rolf Reutter, der die Mannschaft von der D-Jugend förderte und sie bis ins Finale der Deutschen Meisterschaft führte. Dem vielumjubelten Erfolg folgte der Katzenjammer auf dem Fuße. Denn von den jungen Talenten, mit denen die Abteilungsleitung große Pläne für die Zukunft schmiedete, fanden nur wenige den Weg in die Aktivenmannschaft der Turngemeinde. Nahezu alle Spieler hängten die Handballschuhe an den Nagel oder wechselten den Verein.

So ließ der Aufschwung im Aktivenbereich noch einige Zeit auf sich warten. 1980 belegte die TG in der Bezirksliga den fünften und 1981 den zweiten Platz. Erst 1982 wurde dann auf Grund der um acht Treffer besseren Tordifferenz gegenüber dem TSV Calw der Aufstieg in die Landesliga erreicht. Die erste Saison in der neuen Klasse beendete die Mannschaft um Trainer Volker Griesinger nach schwachem Start doch noch auf der vierten Position, die zur Teilnahme in der neu eingeführten Verbandsliga berechtigte.

Mit Walter Salzer, der als Spielertrainer in der Hallenrunde 1986/87 verpflichtet wurde, begann ein weiteres Kapitel der TG-Handballgeschichte. Bereits in der folgenden Saison schafften die TG-Akteure den Aufstieg ins württembergische Oberhaus, die Oberliga. Dieser Aufstieg war zugleich die Krönung jahrelanger Arbeit der Handballabteilung. Ihren ersten Oberliga-Auftritt beendete die Salzer-Truppe auf dem siebten Rang und hatte damit ihr Saisonziel – den Klassenverbleib – erreicht. Walter Salzer verabschiedete sich nach drei Jahren von der TGN und Volker Griesinger konnte wieder einmal für das Traineramt gewonnen werden. Doch die Saison 89/90 stand unter keinem guten Stern für die Turngemeinde. Nach einigen Zitterpartien und schließlich dem Trainerwechsel Wolfgang Don für Volker Griesinger schipperte das TG-Schiff gerade noch in den sicheren Hafen. Dennoch gab es einen Anlass für die TGler, die Korken knallen zu lassen: in der Großfeldrunde 1990 holten sich die Nürtinger den Titel des Württembergischen Großfeldmeisters.

Der Schiffbruch folgte in der nächsten Saison. Wieder sollte durch einen Trainerwechsel das Unmögliche möglich gemacht werden; doch Wilfried Günther, der Don ablöste, konnte den Abstieg nicht mehr verhindern. Nach vier Jahren Oberliga hieß es „Abschied nehmen“ in Richtung Verbandsliga. Günther blieb der Mannschaft auch in ihrer ersten Verbandsliga-Saison 1992/93 erhalten. Trotz einiger Abgänge wurde der sofortige Wiederaufstieg angepeilt. Doch die TG-Handballer mussten erstaunt feststellen, dass „da unten“ auch guter Handball gespielt wird, und am Ende reichte es gerade mal für den Klassenerhalt. Die folgende Runde 1993/94 endete für die Nürtinger Akteure weniger glücklich. Nachdem Trainer Wilfried Günther entnervt das Handtuch geworfen hatte, vermochte auch Rolf Gaber die Mannschaft nicht mehr zu retten.

Neuer Landesliga-Trainer wurde abermals Volker Griesinger, der das marode TG-Schiff wieder flott machen sollte. Doch auch er konnte die Talfahrt der Nürtinger Handballer nur mit viel Mühe stoppen. Nach einer Landesliga-Saison, die keineswegs leichter einzustufen war als die Verbandsliga-Runde, sicherten sich die Nürtinger erst am letzten Spieltag den Klassenverbleib.

In der Hallenrunde 1995/96 wollten die Nürtinger endlich wieder einmal in der vorderen Tabellenregion mitmischen. Doch die Hoffnungen wurden zunichte gemacht. Verletzungspech und eine dadurch inkonstante Leistung führten dazu, dass die Nürtinger Handballer sich dort wiederfanden, wo 1982 alles begann: in der Bezirksliga.

Eine Runde später schielte die Gaber-Truppe mit einem Auge auf den direkten Wiederaufstieg. Doch in den entscheidenden Spielen versagten den TGlern die Nerven, so dass am Ende hinter Weilheim und Owen nur Platz drei blieb. Eine weiße Weste wahrten sich die Nürtinger jedoch im Bezirkspokal, dessen Gewinn in dieser Saison zur Teilnahme am HVW-Pokal berechtigte.

In der Spielzeit 1999/2000 bildete die TG Nürtingen eine Spielgemeinschaft mit dem TSV Neckartenzlingen. Mit der SG sollte an erfolgreichere Handballzeiten angeknüpft werden. Der 5. Platz in der Landesliga erfüllte die Erwartungen nicht ganz. Doch es sollte noch dicker kommen. Die SG Nürtingen/Neckartenzlingen setzte sich in der Saison 2000/01 bald im Tabellenkeller fest. In der Rückrunde übernahm Peter Schmauck für Wilfried Günther die SG-Geschicke. Der direkte Abstieg konnte verhindert werden, allerdings scheiterte die SG in der Relegation an Reutlingen. Die SG blieb dennoch vom Gang in die Bezirksliga verschont, da aufgrund des Aufstiegs vom SKV Oberstenfeld die Relegationsspiele hinfällig wurden. Der TSV Neckartenzlingen kündigte die SG fristgerecht, so dass künftig wieder die TGN in der Landesliga mit Trainer Frank Schwaibold und Wasi Petsonias auf Torejagd ging. 2001/2002 wurde die Mannschaft bereits zur Winterpause als Aufstiegskandidat gehandelt. Souverän sicherten sich die TGler als Meister den Aufstieg in die Verbandsliga.

Die folgenden Jahre zeichneten sich nicht gerade durch sportliche Erfolge aus. Bezeichnend dafür sind die zahlreichen Trainerwechsel. So löste Knut Erpenbach während der Saison 2002/2003 Frank Schwaibold ab, der wiederum durch Siegbert Anhorn ersetzt wurde, doch auch er konnte den Abstieg nicht mehr verhindern. Nach nur einem Jahr kehrte die TGN in die Landesliga zurück. So folgte in der Saison 2003/2004 ein Neubeginn mit einer deutlich verjüngten Mannschaft und Werner Fischer als Trainer, der kurzfristig für den verhinderten Sinisa Mitranic einsprang. Er brachte der Mannschaft den Erfolg zurück und führte sie zum Wiederaufstieg. Sinisa Mitranic trat sein Amt zur Saison 2004/2005 an und erreichte mit seiner Mannschaft einen passablen Mittelfeldplatz. Die Hinrunde der folgenden Saison 2005/2006 stand unter keinem guten Stern. In der Winterpause löste Klaus Hüppchen den glücklosen Mitranic ab, und er konnte das Steuer noch herumreißen. Die TG belegte nach einer furiosen Rückrunde am Ende Rang fünf, der zum Aufstieg in die neu eingeführte Württemberg-Liga berechtigte. Die Mannschaft fasste in der Württemberg-Liga gut Fuß und schloss auf dem passablen fünften Platz ab. Hüppchen erklärte zur Winterpause 2007/2008, dass er nach der Runde den Verein wechseln werde. Daraufhin wurde sein Vertrag vorzeitig aufgelöst und Frauen-Trainer Markus Ilitsch übernahm interimsweise das Steuer. Der Klassenverbleib wurde geschafft und neuer Trainer wurde zu Beginn der Saison 2008/2009 Achim Staudinger, der für zwei Jahre das Team übernahm, ehe er berufsbedingt sein Amt niederlegt. Neuer Trainer wurde Stefan Eidt, dem der bisherige Co-Trainer Volker Schulz zur Seite steht. 2011/2012 geht das neue Trainerteam also die zweite Saison in der Württembergliga an den Start.

Frauenhandball

Erstmals wurde bei der TGN im Jahre 1937 Frauen-Handball gespielt, aber bald wieder aufgegeben. Erst im Jahre 1970, auf Initiative von Sportlehrer Rolf Dehringer, wurde die Sportart wieder aufgenommen. Damals war das TG-Team mit der Schulmannschaft des Max-Planck-Gymnasiums identisch. Gleich bei der ersten Teilnahme am offiziellen Spielbetrieb holten sich die Mädchen den Kreismeistertitel. Daraufhin spielten die TG-Frauen 1972 und 1973 in der Bezirksliga, aus der sie dann aber wieder abstiegen. Bis 1976 gewannen die Frauen mehrere Kreismeisterschaften in der Halle und auf dem Kleinfeld im Freien. Dreimal errangen die TGlerinnen den Kreispokal.

1977 übernahm Wilfried Günther die Geschicke der Mannschaft und leitete den Aufschwung im Nürtinger Frauenhandball ein. Innerhalb von zwei Jahren führte er das Team über die Bezirksliga in die Württembergische Oberliga. Nach drei Jahren Oberliga-Luft hieß es wieder Abschied nehmen in Richtung Bezirksliga. Die Platzierung in der Saison 82/83 reichte dann aber dem Nürtinger Frauenteam, um in der neu gegründeten Landesliga spielberechtigt zu sein. Dort war die Mannschaft bis 1988 mit wechselndem Erfolg angesiedelt.

Nachdem es in der Runde 87/88 gerade noch zum Klassenerhalt gereicht hatte, gab Wilfried Günther nach über zehnjähriger Amtszeit das Steuer an Joachim Glaab weiter. Nach einjähriger Anpassungszeit hatten die jungen Talente der TG in diesem Jahr richtig Fuß gefasst, und so schaffte Glaab auf Anhieb den Aufstieg in die Verbandsliga. Berufsbedingt musste er allerdings seine Trainertätigkeit einstellen und gab die Mannschaft im ersten Verbandsligajahr an Rolf Reutter ab, der mit der personell geschwächten Truppe gerade noch den Abstieg verhindern konnte. In der Saison 1990/91 begann die überaus erfolgreiche, 14-jähige Ära Rolf Gaber. Er führte die Mannschaft im ersten Jahr in das obere Tabellendrittel.

Die Krönung schafften die TG-Werferinnen mit ihrem Coach in der Saison 1996/97. Dank einer starken Rückrunde reichte es am Ende zu einem zweiten Platz, der zu den Relegationsspielen um den Oberliga-Aufstieg berechtigte. Im Modus „Best-of-three“ behaupteten sich die Nürtingerinnen gegen den TV Altbach und feierten endlich den Aufstieg in die höchste württembergische Spielklasse.

Die erste Spielzeit im württembergischen Oberhaus stand ganz im Zeichen des Klassenerhalts. Glücklicherweise blieb das TG-Team diesmal vom Verletzungspech verschont, kam somit nie in Bedrängnis und belegte am Ende als bester Vertreter des Bezirks Esslingen-Teck den sechsten Platz. Ein Jahr später wurde man Dritter. In der Saison 1999/2000 erreichten die TGlerinnen den zweiten Platz, der zum Aufstieg in die neu gegründete Baden-Württemberg-Oberliga berechtigte.

Den bislang größten Erfolg in ihrer Vereinsgeschichte feierte die erste Frauenmannschaft der TGN in der Saison 2000/2001. Sie erreichte den dritten Platz in ihrem ersten Jahr in der Baden-Württemberg-Oberliga und schaffte den Aufstieg in die Regionalliga, der dritthöchsten deutschen Spielklasse. Dort etablierte sich die Mannschaft mit Trainer Gaber. Die Mannschaft wurde in den Folgejahren verjüngt. Die Saison 2005/2006 endete nicht nur mit dem Abstieg in die Baden-Württemberg Oberliga, sondern bedeutete auch das Ende der Ära Gaber.

Ein Nachfolger wurde in Braco Vujinovic gefunden, doch schnell zeichnete sich ab, dass die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft nicht stimmte. So wurde er bereits in der Vorrunde durch Interimscoach Dieter Strobl abgelöst, der den Klassenverbleib sichern konnte. In der darauffolgenden Saison übernahm Markus Ilitsch, der das Team trainierte, ehe zum Jahreswechsel 2009 ein bekanntes Gesicht, die Geschicke übernahm: Wilfried Günther, dessen Tochter zwischenzeitlich dem TG-Team angehörte, führte von da an die „Neckartweets“ auf die vorderen Tabellenplätze der BW-Oberliga zurück und sicherte zu Saisonende Platz 3, der in der Saison 2009/2010 wiederholt werden konnte. Im dritten Anlauf gelang es endlich, einen Aufstiegsplatz zu belegen. Eine grandiose Saison wurde sogar mit dem Meisterwimpel gekrönt. 2011/2012 kehrt die erste Frauenmannschaft also in die dritte Liga zurück - zehn Jahre nach dem Austieg in die Regionalliga.

 

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