| Männer 1 - Vorbericht HC Wernau - TG Nürtingen |
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aus der Nürtinger Zeitung vom 03.02.2012 Nach dem TSV Wolfschlugen und dem HC Wernau hat sich mit der TG Nürtingen nun ein weiterer Verein der Württembergliga von seinem Trainer getrennt. Stefan Eidt wurde „beurlaubt“, Nachfolger ist interimsmäßig Jugendleiter Dieter Strobl. Sobald wie möglich soll ein neuer Mann die Geschicke der Männermannschaft in die Hand nehmen. VON WOLFGANG FRITZ Auf den ersten Blick ist es ein „normaler“ Vorgang: Die TG Nürtingen ziert das Tabellenende, hat lediglich drei Punkte gesammelt und nur noch theoretische Chancen auf den Klassenverbleib. In solchen Fällen wird mit dem Trainer gewöhnlich das schwächste Glied in der Kette ausgewechselt, um einen Motivationsschub zu bewirken und das rettende Ufer vielleicht doch noch zu erreichen. Ein Blick auf die Tabelle aber zeigt: Mit acht Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und neun auf den letzten Nichtabstiegsrang ist hier nichts mehr zu machen und so liegt nahe, dass die Beurlaubung von Stefan Eidt andere Gründe hatte. Tatsächlich wollte sich die Abteilungsleitung von ihrem Trainer gar nicht trennen, mit ihm sogar in die neue (Landesliga-)Saison gehen. „Wir wollten ja, dass er weitermacht“, sagt beispielsweise der Sportliche Leiter Gerhard Deininger, „wir bemängeln nichts an seiner Arbeit.“ Warum dann die Entlassung? Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die neue Saison An den Vorstellungen hinsichtlich der Saison 2012/2013 schieden sich letztlich die Geister. Verständlich, dass Eidt gerne eine schlagkräftige Truppe gehabt hätte, mit der ein sofortiger Wiederaufstieg zu bewerkstelligen gewesen wäre. Nachdem mit Senjin Kazazic, Konstantin Glöckler und Moritz Bürker bereits drei Abgänge feststehen und weitere folgen könnten, sah Stefan Eidt wohl keine Perspektive. Er, Deininger und Jugendleiter Dieter Strobl setzten sich zusammen, um die Planungen für die nächste Runde durchzugehen. Hinterher stand für Stefan Eidt fest: „Ich stehe dem Kader kritisch, skeptisch und pessimistisch gegenüber, er ist zu klein und zu schwach.“ Das musste der Abteilungsleitung der TG mit ihrem Vormann Gerhard Deininger dermaßen aufgestoßen haben, dass sie sich sofort vom Trainer trennte. „Er hat uns mitgeteilt, mit der vorhandenen Mannschaft in der nächsten Saison keine Perspektive zu haben“, bestätigt Deininger. „Wir haben uns gesagt, wenn schon ein Schnitt, dann gleich. Den hätten wir vielleicht schon viel früher machen sollen.“ Es ist dann ziemlich schnell gegangen. Am Dienstagabend wollte Stefan Eidt der Mannschaft seinen Abgang zum Saisonende bekannt geben. Doch dazu kam es nicht mehr, denn bereits am Mittag wurde er von Deininger beurlaubt. „Das war schon überraschend“, räumt der 31 Jahre alte Sportwissenschaftler ein, „und ich bin ein bisschen enttäuscht, dass ich die Runde nicht zu Ende machen kann. Das muss ich jetzt erst mal sacken lassen und gehe jetzt auch nicht auf die Suche nach einem neuen Trainerjob.“ Hatte Stefan Eidt, vor der Saison 2010/2011 auf den Nürtinger Trainerstuhl gelangt, mit der Mannschaft im ersten Jahr noch den Klassenverbleib geschafft, ist er mit ihr in der laufenden Runde nie in die Gänge gekommen. Schwach gestartet, stark nachgelassen, könnte man salopp sagen. Einem kapitalen Fehlstart mit neun Niederlagen in Serie folgte erst Mitte November vergangenen Jahres ein 27:23-Sieg gegen Saulgau, zwei Wochen später gab’s noch einmal ein Pünktchen (24:24 gegen die SG Ober-/Unterhausen). Das war’s dann. „Hinten raus war es sicherlich auch eine konditionelle Frage“ Stefan Eidt „Die Vorbereitung war nicht optimal. Die Mannschaft hat nicht richtig zusammengefunden, auch von den Typen her“, versucht Eidt eine Erklärung zu finden. Einige Spiele habe man zwar „deftig verloren“, aber auch nur knappe Niederlagen wie gegen Deizisau oder Plochingen einstecken müssen. „In diesen Spielen haben wir es nicht geschafft, als Sieger vom Platz zu gehen, da hat nicht viel gefehlt.“ Offensichtlich war allerdings die mangelhafte körperliche Verfassung der Spieler. Eidt räumt dies ein: „Hinten raus war es sicherlich auch eine konditionelle Frage.“ Nun übernimmt, wieder einmal, „Feuerwehrmann“ Dieter Strobl das Ruder auf dem TG-Schiff. „Die Kontinuität war nicht mehr gewährleistet“, sagt Nürtingens Handballjugendleiter, „deshalb schon jetzt die Weichenstellung.“ Es ist für ihn sicherlich nicht einfach, eine quasi abgestiegene Mannschaft noch einmal zu motivieren. Andererseits lastet keinerlei Druck auf ihm. „Es ist nicht mein primäres Ziel, den Abstieg zu verhindern“, sagt der 48-jährige Diplomphysiker. „Ich kann jetzt experimentieren, beispielsweise mit Einsatzzeiten. Wichtig ist, den Spielern den Spaß am Spiel zurückzubringen.“ TG Nürtingen morgen in Wernau erneut nur Außenseiter Ob die Mannschaft, die laut Gerhard Deininger „nie gegen den Trainer gespielt hat“ (was Kritiker von außen ganz anders sehen), morgen Abend (20 Uhr) beim Tabellenvierten HC Wernau diesen Spaß schon hat, darf nach den Vorgängen der letzten Tage bezweifelt werden. Auch wenn neckarabwärts ein ähnliches Szenario stattgefunden hat wie in Nürtingen: In Wernau trat das Trainerduo Michael Abele/Frank Ziehfreund zurück, nachdem ihm mitgeteilt worden war, dass man mit den beiden nicht mehr für die neue Saison plane. Nico Kiener ist Wernaus neuer Spielertrainer und so heißt es morgen nicht mehr Abele/Ziehfreund gegen Eidt, sondern Kiener gegen Strobl. Auch das hat seinen Reiz. |